SPD in Second Life
Herr Hochhuth, Ihre Bemerkung beim gestrigen dritten politischen Webdienstag, die SPD hätte sich als Online-Verweigerer entpuppt und [wäre] auch heute Abend hier auf dem Podium nicht vertreten, müsste ich ja eigentlich übel nehmen. Besonders das auch heute Abend geht wohl ein wenig an der Realität vorbei. Oder reicht das Gedächtnis nicht mehr bis zum zweiten politischen Webdienstag zurück, an dem u.a. Ulrich Kelber von der SPD teilnahm?
Ausserdem formiert sich gerade eine eigene Gruppe in Second Life, haben denn die anderen Parteien sowas auch zu bieten?
Apropos, nachdem ich mich nun heute endlich mal zum SPDsl eigenen Büro im Berliner City Center durchgeschlagen hatte, konnte ich mir mit eigenen Augen ein Bild davon machen, wie sich manche politische SL-Bewohner im virtuellen Leben benehmen:

Der gute Dr. Chatzimarkakis, seines Zeichens Europaabgeordneter und Mitglied der FDP hat es sich nicht nehmen lassen (oder jemanden beauftragt, es sich nicht nehmen zu lassen), mit einer grossen, gelben Infotafel den Eingang zum SPDsl-Büro quasi zuzumauern. *

Auf dieser Tafel kann sich der geneigte Besucher ausführlich über den beruflichen Werdegang des Politikers informieren. Und wer sozusagen zwischen den Zeilen liest, findet sicher auch heraus, welche Kinderstube er genossen hat. *
In meinen Augen sind solche Aktionen ja kindergartenreif. Bestenfalls.
(BTW, der schwarze Avatar ist selbstverständlich nicht vor lauter Langeweile über die hochinteressante Infotafel ins stehende Koma gefallen.
Diese Stellung nimmt man ein, wenn man away ist.)
* Gestrichen, weil/wegen das da. Dennoch halte ich die Aktion weiterhin für auf Kindergartenniveau durchgeführt.



[...] ist das “harmlos” (Link). Kritischer sehen die Arbeit von politik.de nur die SPD-Leute (Link) und eine Politikwissenschaftsstudentin Julia Spreen (Link): Internetportale sind für mich aktuell [...]
Pingback von Wahl in Bremen und interaktive Demokratie « Sendungsbewusstsein, geschrieben am 11. Mai 2007 um 1:27 pmFrau Preuss, es war nun mal eine Tatsache, dass die SPD bei der Podiumsdiskussion nicht teilgenommen hat. Die Diskussion mit Herrn Kelber war eine ganz andere. Wir uns über viele Kanäle bemüht, einen Vertreter der SPD für das Podium zu finden und viele Politiker direkt angesprochen. Die Ablehnung durch den Wahlkampfleiter und Pressesprecher wurde mit dem Satz begründet: “Wir wollen niemanden zwingen, daran teilzunehmen.”
Im Übrigen war es Herr Dowe alias Glowbot Boa von politik-digital.de, der die SPD als Online-Verweigerer-Partei hingestellt hat. Ich habe in meiner Funktion als Moderator der Veranstaltung lediglich seine Formulierung aufgegriffen:
[9:04] Glowbot Boa: Zum Online-Wahlkampf in Bremen:
[9:05] You: Kurzer Hinweis an die Gäste auf dem Podium: Bitte warten Sie, bis ich Sie persönlich anspreche
[9:05] Glowbot Boa: Also, das ist bisher sehr unterhaltsam …
[9:05] Glowbot Boa: vor allem wegen der Online-Verweigerer-Partei SPD
[9:05] Glowbot Boa: Ich denke, für ein klienes Bundesland ist gar nicht so wenig los, im hanseatischen Netz …
[9:05] Glowbot Boa: und ich beobachte mit Freude, dass sich auch Blogs als PR-Instrument lngsam durchsetzen.
[9:06] Glowbot Boa: Den meisten Politikern fällt es aber leider immer noch schwer …
[9:06] Glowbot Boa: zwischen ehrlicher Kommunikation und Show-PR zu unterscheiden.
[9:06] Glowbot Boa: Soweit erst mal.
[9:07] You: Wie erklären Sie sich, dass die SPD sich als Online-Verweigerer entpuppt und auch heute Abend hier auf dem Podium nicht vertreten ist?
[9:07] Glowbot Boa: Medieninkompetenz, ganz klar
(Das vollständige Chat-Protokoll gibt es unter http://blog.politik.de)
Wir freuen uns auf jeden Fall, dass Sie in Ihrem Blog immer so schön und kritisch über die Veranstaltungen in Second Life berichten und werden uns bemühen, dass beim nächsten Event auch die SPD wieder vertreten ist.
Kommentar von Christian Hochhuth, geschrieben am 12. Mai 2007 um 10:19 amLieber Christian, liebe Genossen,
ich bin gerne kritisch, was die aktuellen Online-Partizipationsformen anbelangt, denn es scheint mir nach wie vor ein Experimentierfeld zu sein, was für Parteien natürlich immer eine heikle Sache ist. Es gibt einfach noch zahlreiche Defizite und da begibt man sich ungern auf dünnes Eis – vor allem in Wahlkampfzeiten. Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass Parteien das Potenzial des Internets noch immer viel zu zurückhaltend nutzen und leider keine eigenen Innovationen hervorbringen. Da brauchen sie Nachhilfe, die nur von außen kommen kann. Dementsprechend ist es unabdingbar, dass es Initiativen gibt, die sich diesbezüglich engagieren. Eine intensive Debatte über Online-Kommunikations- und Partizipationsmöglichkeiten ist nicht zuletzt aufgrund der rückläufigen Wahlbeteiligung unbedingt notwendig!
Beste Grüße
Kommentar von Julia, geschrieben am 14. Mai 2007 um 2:04 amJS
@Christian: vielen Dank für die Korrektur, jetzt nehme ich es natürlich Herrn Christoph Dowe übel.
Kommentar von Martina Preuss, geschrieben am 14. Mai 2007 um 10:37 amAber mal Spass beiseite: dass zu Wahlkampfzeiten gerne über andere gelästert wird, muss man wohl (parteiübergreifend) als unausrottbar hinnehmen.
Und ja, ich finde Second Life mit den gebotenen Möglichkeiten spannend, aber die technischen Beschränkungen sowohl für den Einzeluser, der nur unter bestimmten Voraussetzungen überhaupt daran teilnehmen kann, als auch die Tatsache, dass sich allein wegen der Serverleistung nicht allzuviele Avatare an einem Ort bewegen können, führen schon dazu, dass solche Veranstaltungen in SL lediglich eine ziemlich kleine Nische im grossen politischen Kosmos besetzen können.
Nicht zuletzt deshalb wird sicher eine “Zweitverwertung” der 3D-Chats in Blogs als Multiplikator sein müssen, um ein breiteres Publikum anzusprechen.
Auf zur Demo gegen Vorratsdatenspeicherung in SL am 6.11. um 17.00 Uhr im Politikland!
Kommentar von SL-Aktivist, geschrieben am 5. November 2007 um 5:54 pm