Medienschelte
Direkt nach der Wahl, während die Politiker sich schon in der Elefantenrunde zusammenfanden, sass ich noch im Zug nach Hause und wir Zuggäste mussten uns die ersten Hochrechnungen per Durchsage “gesponsert von Tee Offlein” zu Gemüte führen.
Reklame, Werbung, Marketing durchseucht inzwischen unser ganzes Leben.
Auch die Journaille hat nichts unversucht gelassen, direkt oder indirekt, offen oder subtil, Angela als neue Kanzlerin in den Stuhl zu hieven. Und als der Kanzler in der Elefantenrunde, zu Recht stolz auf das Ergebnis der Aufholjagd, dieser Journaille ein wenig heftiger auf die Finger klopft, als es einem Staatsmann vielleicht gut zu Gesichte stünde, da regt sich der politische Gegner auf, da regen sich eben diese so gerügten Journalisten auf. Ja, sacht mal, merkt ihr eigentlich noch was?
Ich bin sehr froh, dass sich die meisten Bürger und Bürgerinnen weder von der Medienhetze noch von dem allüberall per Vor-Wahlergebnis proklamierten Politikwechsel (Umfragen, an wenigen tausend Menschen durchgeführt, wohlgemerkt), haben beeinflussen lassen und unabhängig ihre eigene Wahl getroffen haben.
Das war bestimmt nicht leicht und ist deshalb umso höher zu schätzen. Ich kann mich auch nicht mit allen Punkten aus dem Wahlprogramm der Partei, die ich gewählt habe, identifizieren oder finde alles der Parteien, die ich nicht gewählt habe, per se schlecht, bis auf solche Parteien wie NPD oder ähnliches selbstverständlich.
Es war eine Schnittmengenwahl, die letztlich wohl auch die bis zum Schluss Unsicheren getroffen haben. Und das war gut so.
Jetzt sind die Politiker an der Reihe, ihre Schnittmengenwahl zu treffen und das beste für die Menschen herauszuholen. Nicht das beste für sich.
Ausserdem sind die “Meinungsmacher” sprich Journalisten an der Reihe, wieder etwas mehr Objektivität in ihre Berichterstattung zu bringen (Berichterstattung ist immer noch ungleich Meinungsmache), anstatt herumzulamentieren und sich auf den Schlips getreten zu fühlen. Mal ehrlich: wer seinen Schlips so weit aus dem Fenster hängt, der muss sich nicht wundern, dass auf diesen getreten wird.


