Equal Pay Day – Frauen haben weniger in ihren Taschen

Laut Eurostat verdient eine Frau in Europa durchschnittlich 15 Prozent weniger als ihr männlicher Kollege, in Deutschland erreicht der Unterschied mit 22 Prozent weniger Gehalt einen traurigen Spitzenplatz, der nur von wenigen Ländern getoppt wird, auf Führungsebene sind es sogar 33 Prozent weniger.
Auf dieses Ungleichgewicht will der internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit von Frauen und Männern, der bereits in den USA und in Belgien veranstaltet wurde, diesmal auch in Deutschland aufmerksam machen.
Hier wird der am 15. April stattfindende und vom Netzwerk Business and Professional Women (BPW) initiierte Equal Pay Day u.a. von zahlreichen Frauenverbänden unterstützt, die ein ganzes Bündel an verschiedenen Aktionen starten.
Begleitet wird der Equal Pay Day z.B. von der Initiative Rote Tasche, die bereits letztes Jahr im Sommer zum Europäischen Jahr der Chancengleichheit ins Leben gerufen wurde, aber wohl weitgehend von der Öffentlichkeit unbeachtet geblieben ist, selbst kann ich mich z.B. nicht daran erinnern.
Bei der Aktion “Rote Tasche” kann jede Frau einfach mitmachen, auch wenn sie keine Zeit hat, sich anderweitig am Equal Pay Day zu beteiligen: geht am 15. April mit einer roten Handtasche auf die Strasse, zur Arbeit oder zum Einkaufen und macht so auf die roten Zahlen in euren Geldbörsen wenigstens symbolisch aufmerksam!
Natürlich ist es über einen einzigen Aktionstag hinaus nötig, immer und immer wieder auf diese Art der Diskriminierung hinzuweisen und sie allen ins Bewusstsein zu rücken.
Die ungleiche Bezahlung hat schliesslich weitreichende Auswirkungen für jedes sozialstaatliche Gefüge, die sich nicht auf das hier und jetzt beschränken: weniger verdienende Frauen zahlen weniger in die sozialen Sicherungssysteme ein, sie leben aber z.B. länger und werden daher auch länger als ihre männlichen Kollegen Rente beziehen.
Aufgrund der positiven wirtschaftlichen Auswirkungen, die eine gleichberechtigte Bezahlung nach sich zöge, frage ich mich, warum dies nicht schon längst gängige Praxis ist?
Hat die Politik geschlafen? Die europäische Kommission legt zwar jedes Jahr aufs Neue ein detailliertes Arbeitsprogramm auf und ein Europäisches Institut für Gleichstellungsfragen wurde eingerichtet, aber wenn ich im Bericht der Kommission zur Gleichstellung von Frauen und Männern – 2008 (PDF) lese, dass man scheinbar immer noch damit beschäftigt ist, die Fähigkeit zur Analyse dieses nach wie vor komplexen und noch nicht richtig verstandenen Phänomens auszubauen, dann ist das für die gegenwärtige Situation wenig befriedigend.
Und so müssen wir zur Unterstützung dieser berechtigten Forderungen wohl weiterhin zum demonstrieren auf die Strasse oder ins Internet gehen.
(english version here)



http://manifesto2009.pes.org/en/new-social-europe/post/361
Schönes Wochenende!
Kommentar von Rikke (PES), geschrieben am 11. April 2008 um 4:42 pmMany thanx, Rikke, für die Übersetzung.
Kommentar von Martina Preuss, geschrieben am 11. April 2008 um 5:08 pmHappy weekend for you too.
[...] spricht für sich selbst) – Europa, die Frau hatte Weitsicht (Kommunikationsprobleme der EU) – Equal Pay Day, Frauen haben weniger in ihren Taschen (Gehaltsgefällen zwischen den Geschlechtern in der EU) Da alle Artikel auch übersetzt auf [...]
Pingback von Rotes Europa | Europawoche auf dem Parteiblog, geschrieben am 14. April 2008 um 12:45 pmMerkwürdig, mit welcher Selbstverständlichkeit die Schuld für das Versagen von Frauen und ihre im Vergleich mit Männern systematisch geringeren Erfolge grundsätzlich immer bei anderen, der Gesellschaft oder den “bösen” Männern abgeladen wird. *So* wird sich sicher auch in Zukunft nichts ändern. Auch Frauen müssen endlich begreifen, dass Erfolge (=gutes Einkommen) nicht von oben herab zugeteilt werden, sondern erarbeitet werden müssen. Das Statistische Bundesamt hat jedenfalls wiederholt bekanntgegeben, dass ein unterschiedliches Gehalt von Frauen und Männern bei *gleicher* Arbeit in Deutschland nicht nachweisbar ist. Wenn Männer im Allgemeinen deshalb mehr verdienen, weil sie besser qualifiziert sind und höherwertige Arbeiten verrichten, dann kann ich darin nichts Ungerechtes sehen sondern finde, dass unsere Gesellschaft ihren überwiegend männlichen Leistungsträgern dankbar sein sollte.
Kommentar von Heike Müller, geschrieben am 15. April 2008 um 5:21 pmIch glaube, du sitzt einem grundsätzlichen Missverständnis auf: es geht nicht um “höherwertige” Arbeit von Männern oder deren bessere Qualifizierung, es geht darum, für gleichwertige Arbeit einen gleichwertigen Lohn zu verlangen. Ich wüsste nicht, was daran auszusetzen wäre.
Die Schuld am Lohnungleichgewicht liegt sicherlich nicht an den Frauen, mMn ist es sowieso eher müssig, überhaupt über eine Schuldfrage zu diskutieren, endlich eine Trendwende herbeizuführen wäre mir lieber.
Und das lässt sich nunmal besser zu vielen durchführen als einzeln und allein ins stille Kämmerlein zu heulen, die Zeiten sind wahrhaftig vorbei.
Apropos Statistisches Bundesamt: gibt’s keinen Link zu diesem “Nachweis”?
Kommentar von Martina Preuss, geschrieben am 15. April 2008 um 6:59 pm