Das wars zum Thema Online-Durchsuchungen

Heute abend fand die angekündigte Veranstaltung zu Online-Durchsuchungen in Göttingen statt, wir trafen uns im Keller
des Theologicums und es waren zu fast 90 Prozent, möchte ich behaupten, junge und internettechnisch zumindest begabte Menschen, anwesend.
Fast zwei Stunden wurde das Thema politisch, juristisch und technisch von allen möglichen Seiten beleuchtet und heraus kam, dass die heimliche Online-Durchsuchung von Computern der reine Blödsinn ist/wäre/sein würde. Einem zweifelhaften Erfolg aufgrund technischer Hindernisse (ständig weiterzuentwickelnde Trojanersoftware, die für die verschiedensten Systeme zur Verfügung stehen und immer wieder andere Lücken ausnutzen müsste etc.pp.) stünden viele Unwägbarkeiten gegenüber, die Online-Durchsuchungen mindestens abstrus erscheinen liessen.
Was passiert, wenn der auszuspionierende Laptop sich in einem anderen europäischen Land befindet? Wie stellt man sich vor, das virtuelle Schlafzimmer auf einem Notebook, auf das man angeblich nicht zugreifen wird, einzugrenzen? Wer garantiert dafür, dass auf den fremden Rechnern nicht nur gelesen (also herumgeschnüffelt), sondern auch geschrieben (also irgendwas verdächtiges eingeschleust) wird? Haftet der Staat für durch die Malware entstandene Schäden? Und was soll das überhaupt bringen? Stellt man sich wirklich vor, dass Verdächtige ihre verdächtigen Daten unverschlüsselt auf ihrem eigenen Laptop sammeln?
Die schon jetzt nicht mehr handlebare Datenflut sollte uns potentiellen Spionieropfern ein Trost sein, doch wurde natürlich bemängelt, das der vernetzte Normaluser heutzutage viel zu viele Daten sorglos von sich preisgibt (sach ich ja eh schon immer).
Apropos Vernetzung, die wahre Gefahr besteht darin, die verschiedenen Datenbanken, mit denen schon jetzt unendlich viele Informationen über die Bürger gesammelt werden, miteinander zu verbinden. Dann sind wir gläsern und können uns getrost von der Informationellen Selbstbestimmung verabschieden.
Zum guten Schluss wurde noch die böse Vermutung geäussert, der Bundesinnenminister würde die Medien in regelmässigen Abständen mit seinen überzogenen Vorstellungen füttern, um im Kielwasser der empörten Diskussion die wirklich unwitzigen “Terrorabwehrmassnahmen” durchzusetzen.
So heisst es auch hier wie bei der Bewältigung der Datenflut: das Rauschen unbeachtet lassen und sich aufs wesentliche konzentrieren.



