Bericht von der Gegendemonstration in Göttingen

Ich bin erst an der Ecke Papendiek / Johannisstrasse zur Demo gegen die heutige NPD-Kundgebung dazugestossen. Weil es pünktlich zu nieseln angefangen hatte, suchte ich mir erstmal ein trockenes Plätzchen, um von dort aus zu fotografieren.

die SPD vorneweg
Die SPD war gleich vorne mit dabei, wie unschwer an den Fahnen zu erkennen ist. Trotz der noch gestern geäusserten Sorge, wo denn das ganze Fahnenheer geblieben sei, sind wohl doch genügend rote Fahnen wieder aufgetaucht. ;-)

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen

Und trotz der Polizeieskorte gelang es mir ab und zu, eine Lücke zur Ablichtung der Transparente zu finden.

Wolfgang Meyer von der SPD

Sogar unser neuer Oberbürgermeister, Wolfgang Meyer von der SPD, wurde bei der Demo gesichtet (der alles überragende Herr, der mir leider den Rücken zudreht).
Vom scheidenden Oberbürgermeister Danielowski, CDU, war wie immer nichts zu sehen. Bei der letzten Demo hatte er sich zu einer gaaaaanz wichtigen Konferenz von Oberbürgermeistern nach Timbuktu möglichst weit weg begeben, nicht ohne vorher noch eine gaaaaaanz doll besuchte zweite Gegendemo anzuzetteln (ein paar Dutzend Leute drückten sich damals etwas gezwungen auf dem Wochenmarktplatz herum). Diesmal hat sich der gute Herr Danielowski wenigstens zu einem gemeinsamen Aufruf mit dem neuen Oberbürgermeister durchgerungen (oder sollte ich lieber schreiben: durchringen lassen?).

der schwarze Block

Nach einer grossen Lücke kam dann auch der autonome Block vorbei, der sich ringsum mit Transparenten abgeschottet hatte und von jeweils zwei Reihen an Polizisten begleitet wurde. Direkt vor der Ecke zur Johannisstrasse gab es eine kleine Rangelei, als es so aussah, als wollte der schwarze Block nach links ausscheren, was aber im Keim erstickt wurde.
Von einer weiteren, später stattfindenden Rangelei, als wie letztes Jahr ein Durchbruch auf die Berliner Strasse versucht wurde, habe ich nichts mitbekommen.

die SPD vorneweg

Auf der Weender Strasse gab es entschieden mehr Platz für den Demonstrationszug, die Leute machten trotz des jetzt richtig einsetzenden Regens einen entspannteren Eindruck.

SPD-Fahne
Grüne Jugend - Stacheln gegen Rechts

Von meinem abermals trockenen Unterstand konnte ich dank einiger Lücken ab und zu fotografieren.

Platz der Synagoge

So gegen halb zwei kamen die ersten zurück zum Platz der Synagoge, wo die Abschlusskundgebung stattfand.

Abschlusskundgebung auf dem Platz der Synagoge
Abschlusskundgebung auf dem Platz der Synagoge

Nach Aussage des Polizeieinsatzleiters hatten ca. 4000 Demonstranten teilgenommen, während sich auf dem Bahnhofsvorplatz ungefähr 150 NPDler herumdrückten. Beide Gruppen wurden mittels 6000 Polizisten fern voneinander gehalten. Es soll weder Ausschreitungen noch Festnahmen gegeben haben und insgesamt sehr friedlich verlaufen sein.

Harald Jüttner auf der Abschlusskundgebung

Zum Abschluss sprach noch einmal Harald Jüttner von der Jüdischen Gemeinde …

Vertreter der A.L.I. auf der Abschlusskundgebung

… sowie ein wahrscheinlich nicht namentlich genannt werden wollender Vertreter der A.L.I., …

A.L.I. - In die Offensive, No-Go-Area für Nazis und Rassisten

… die noch ein schönes Transparent an der Bühne anbrachten.

Grosszügig wurde zum Schluss seitens der Polizei eingeräumt, dass man den Platz der Synagoge verlassen dürfte, solange man sich nicht in grösseren Gruppen davonrottete. Na denn …

PS: Mehr Bilder in Originalauflösung gibt’s auf Anfrage, Kontakt über Kontakt äh Impressum.

2 Kommentare


  1. Hallo Martina!

    Danke für die tolle Berichterstattung! Die Pferde haben sich offenbar gescheut, in Deine Nähe zu kommen, jedenfalls habe ich sie nicht gesehen. Schätze, sie wurden neben den Wasserwerfern geparkt, die angeblich bei Bahr in Weende zu besichtigen waren…

    Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der polizeiliche Aufwand, der im Vorfeld und während der Demo betrieben wurde, nicht gerechtfertigt war. Die Polizei hat im Oktober 2005 ein schlechtes Bild abgegeben. Darauf wurde im Mai 2006 entsprechend reagiert. Soweit so gut. Im Oktober 2006 waren es aber ganz eindeutig 2000 PolizistInnen zu viel, die in Göttingen ihr Wochenende verbringen mussten. Das war schon vor der Demo klar, das hat sich dann auch zum Glück bestätigt. Allein die Anreise und die Hotelunterbringung der BeamtInnen aus den südlichen Bundesländern hat von den Gesamtkosten des Einsatzes von 2 Mio EUR bestimmt eine knappe Mio EUR ausgemacht. Steuergeld. STEUERGELD!

    Wenigstens hatten die Damen und Herren bei den Bäckereien, Coffee-to-go- und Döner-Buden ihren Spaß mit der Grün/Schwarz/Blauen Reserve aus 11 Bundesländern. Nächstes mal schlage ich Börner/Eisenacher als Hauptsponsor vor…

    Viele Grüße

    Martin


  2. Also, laut GT haben alle Innenstadtgeschäfte ja Umsatzeinbussen hinnehmen müssen, weil sich keine Käufer in die Innenstadt getraut hätten. Den Eindruck einer leergefegten Innenstadt habe ich allerdings gar nicht gewonnen.
    Dass mehr Polizei als Demo-Teilnehmer/-innen vor Ort waren, und sich die Celler Sorgen darüber machten, dass für sie bei einem drohenden Weiterzug der NPD nach Celle nicht mehr genug Polizeischutz übrigbliebe, sollte dem Polizeipräsidenten allerdings schon mindestens peinlich sein.

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